Aufnahmen zu "The Mascot"
Ein kleiner Bericht über das Erschaffen des neuen Werkes.
von Arlette “Eiselfe” H.D. / 21.01.2004

 

Das erste KNOWHERE-Album entstand anno 1997-auf “Knowhere” waren insgesamt vier Songs vertreten, die jedoch in ihrer Länge so beschaffen waren, dass “Drowning into tears of Subconsciousness” konzeptmässig nicht mehr darauf Platz fand. Die folgenden Jahre brachten jedoch nicht nur Konzerte und neue Songs hervor, sondern waren auch von Line-Up-Wechseln und dem Suchen neuer Musiker geprägt. 1999 war dann die “Halbwertszeit” der Band erreicht und mit Fuhli und Arlette zwei Musiker gefunden, mit denen “The Mascot” langsam Gestalt annahm.

2001 waren acht Songs versammelt, welche auf das neue Werk gebannt werden sollten. Das Songwriting war dabei stets ein nicht linearer Prozess, da sämtliche KNOWHERE-Mitstreiter ihre Ideen einbrachten, die daraufhin gemeinsam ergänzt und arrangiert wurden-unter Einbeziehung des sogenannten “Fies-o-mats”. “Snowball” wäre in seinen Kinderschuhen allerdings beinahe einem gemeinen Stromausfall zum Opfer gefallen, der just nach der Komposition des ersten Riffs alles verstummen liess (aber zum Glück gibt’s ja eine Autosave- Funktion).


Die Songtitel ergeben sich grösstenteils aus den Lyrics. Eine Ausnahme ist hierbei “Tempest 9.21.5.1.” bei dem der Verzerrungssturm und der Charakter des Songs die Inspiration für den Titel bilden. Die Lyrics ergeben sich bei KNOWHERE meist durch Betrachten alltäglicher Dinge aus einer unüblichen Perspektive die daraus resultierenden Gedanken werden in den Lyrics verarbeitet.
Die topographische Gestaltung der Lyrics widerspiegelt die Idee einer sorgfältigen Interpretation: Nebst dem ästhetischen Aspekt der Schreibweise zwingt sie den Leser, die Lyrics nicht zu “überfliegen” und sich allzu rasch eine Meinung darüber zurecht zu legen. Stattdessen führt genau die längere Betrachtung, die Verlangsamung des Lesens, zu neuen Einblicken in die lyrischen Welten von “The Mascot”.
Die Erfindung der kalligraphischen Schreibweise geschah aus ursprünglich weit weniger poetisch anspruchsvollen Beweggründen: Sie diente anno 1996 zur kreativen Müdigkeitsbekämpfung in einer Geschichtsstunde zum Weltkrieg.


Die Aufnahmen an sich waren hingegen schon eher von einem üblichen Blick auf die Realität geprägt. Neben einer Odyssee auf der Suche nach geeignetem Aufnahme-Equipment (Mics, PreAmps, Computer-Hardware), die Zappi und Kov u.a. bis auf den Sternenberg entführte (wo sie allerdings keine Aliens antrafen), traten auch im Proberaum schon bald Probleme auf. Da für die Aufnahmen Cubase VST benutzt wurde, war die Anwesenheit eines PCs im Raum unumgänglich.
Dieser wurde sowohl durch Feuchtigkeit als auch die Schlagkraft vom Drumkit geschändet. Nach einem Bassdrumschock musste also ein anderer, unempfindlicher (Black-Metal-tauglicher) Bildschirm beschafft werden.
 
Trotz Kovs Konditionsprogramm setzte Valglaumnir die Aufnahmen jeweils nicht auf Werktagsabende an, womit KNOWHERE sich auch mit den Vorlieben ihrer Bandraum- nachbarn beschäftigen musste. Sowohl die Klänge einer japanischen Punkband als auch das Gerappe eines J.Lo- fanati- schen MCs (“Jenny from the Block”) fanden sich auf den Aufnahmen wieder und führten zu diversen Nervenzusammenbrüchen bei Valglaumnir am Produzenten- pult.
Der Abrisscharakter des Proberaums tat sein übriges dazu, um die “Störgeräusche” zu maximieren. Diese Einflüsse wurden aber unter Einsatz von Schaumstoff und anderen Massnahmen mehrheitlich eliminiert. Dadurch verlängerte sich dann wieder die Dauer der Aufnahmen.    


Phase 2 hätte den Basslines gegolten. Doch da die Freiheit der Gitarrenwand unangetastet bleiben sollte, entschloss man sich dazu, erst die Gitarren, dann den Bass und zuletzt den Gesang aufzunehmen.

Die verzerrten Gitarren-Parts wurden erneut im Proberaum eingerotzt, die unverzerrten Basslines anschliessend an einigen Samstagnachmittagen in "Space Niggurath's" Main-Studio, das keinerlei lärmorientierte Nachbarn besitzt.


Da insbesondere bei “After Sunset” die Notwendigkeit von akustischen Gitarrenpassagen bestand, musste nach Lösungen für diese Aufnahmen gesucht werden. Wegen Fluglärmgefahr und Zugsgerattere wurde daraufhin das Space-Niggurath-Badezimmer kurzerhand zweckentfremdet und mit Schaumstoff ausgekleidet. Es ergab sich eine kleine, schallschluckende, finstere Kammer, die jenseits der üblichen Glasfenster-wir-haben-Millionen-
Studio-Romantik war.

Die Gitarristen wurden jeweils darin "versorgt", indem die Türe mit einer lilagepunkteten Wolldecke abgedichtet wurde. Die Toilette daneben durfte daraufhin nur noch im Dunkeln benutzt werden, da durch Anschalten des Lichts die dröhnende Lüftung im Bad ebenfalls aktiviert würde - und der betroffene Musiker sich mindestens 5 Minuten länger in seinem stickigen Kabäuschen aufhalten müsste. Kommuniziert wurde über Kopfhörer und Monitoring. Durch lautes Knacken im Kopfhörer (erzeugt durch Schütteln eines Kabels mit Wackelkontakt) konnte so die Aufmerksamkeit des Eingeschlossenen gewonnen werden.

In dieser Kabine wurde daraufhin der Gesang ebenfalls aufgenommen, ohne Intervention von Nachbarn oder der Polizei.
Man fragt sich in solchen Situationen bisweilen, wann überhaupt jemand zu Hilfe eilen würde...


Für den Endmix von “The Mascot” und das Mastering wählten KNOWHERE das Gallus Tonstudio in St. Gallen. Obschon hier vorher noch keine Black Metal-Band über die Schwelle getreten war, wurde der Sound mit Interesse und Wohlwollen aufgenommen. Nach knapp einer Woche Abmischen und Mastering war es dann endlich soweit: “The Mascot” war geboren und dementsprechend noch weiss und nackt.


Der Wunsch nach einem Artwork, das nicht ins Klischeehafte fällt, war von Anfang an stark. Ein geeigneter Maler fand sich in JSP, dessen erste Kreationen Namen wie “The Place of pure Unholyness” trugen.
Seine späteren Werke besassen eine Stimmung, die zu “The Mascot” eher passte und sollten deswegen insbesondere das Cover zieren.

Während Arlette noch mit dem kalligraphischen Schreiben der Lyrics beschäftigt war, begann Fuhli die Graphiken für das Booklet zu bearbeiten. Dass sich dies allerdings überhaupt nicht einfach gestalten würde, war schon bald klar. Das altbekannte Problem “vom Papier in den Computer rein” ragte meterhoch über der graphischen Arbeit. Kaum war das Booklet fertig, stellte Zappi beim verträumten Anschauen desselben fest, dass die Trackliste auf dem Inlay nicht mit derjeniger der CD übereinstimmte. Somit war noch eine weitere Nachtschicht nötig, bevor Arlette das Werk endlich nach St. Gallen bringen konnte (wobei sich das Finden der richtigen Bushaltestelle als grösstes Problem herausstellte).
 


Schliesslich stand der 23. Dezember 2003 als Veröffentlichungsdatum fest. Doch das Presswerk in Österreich hatte vor lauter Weihnachtsstimmung den Auftrag als nicht allzu dringend eingeschätzt und vertröstete KNOWHERE auf den 8. Januar 2004. Da schliesslich noch die Speditionsfirma an einem Tag streikte und keinerlei Lieferungen ausführte (egal, ob es sich nun um Hühner oder Black Metal-CDs handelte) und ein Einbruch in das Lagerhaus von der Band wieder verworfen wurde, fand “The Mascot” erst am 9. Januar 2004 seinen Zielort. Allerdings scheint “The Mascot” nicht gerade der Sesshaftigkeit verfallen zu sein und bricht bereits zu neuen Reisen in unbekannte Welten bzw. CD-Player auf...

 


Fuhli beim abermaligen Einspielen des Riffs Kov beim Antesten
des "Harmoni-doo"
(wurde letztlich
nicht verwendet *ggg*)
"Schallschutz" des
Aufnahmeraumes
 
 
 
Innenansicht des umgebauten Badezimmers Des Produzenten Nerven während den Aufnahmen