Get arrested, no pos(t)ers-Tour 2006

KNOWHERE on the road mit
NECROPHOBIC, RAISE HELL und ORIGIN BLOOD

Tour-Tagebuch von Arlette "Eiselfe" H.D.

 

Donnerstag, 5. Oktober 2006 – Tourbeginn im Werk 21, Zürich
Der Tourbeginn gestaltete sich relativ bequem für uns, zumal wir im Werk 21 quasi Heimspiel hatten. Ein erster Kontakt mit den anderen Musikerkollegen war rasch hergestellt und das herzhafte "Hejjjj" von Johan Bergebäck sollte nicht das letzte seiner Art sein. Nach dem Soundcheck war auch noch etwas Zeit, um den Tourbus zu begutachten, der nicht in edlem Nightliner-Schwarz daherkam, sondern eher in die Rubrik "Auswärtspennen ist Hippie-Glugurz" fiel. Viel Zeit zur Inspektion blieb allerdings nicht, bald schon war ein kurzer Znachthappen und danach der Gang auf die Bühne angesagt. BITTERNESS als lokaler Support spielte an zweiter Stelle, da wir wie immer unseren Linksherum-Drumkit-Sonderwunsch beherzigten.
. . . Nach einem schweisstreibenden Gig war denn noch Zeit um Tourmanager Jörg und Merchandiser Eumel kennenzulernen und bei REQUIEM-Phil die letzten Tips für die Tour einzuholen (wenn es solche überhaupt gibt). Kov und Fuhli zog es anschliessend nach Hause, während Arlette H.D. und Zappi Bekanntschaft mit den engen Doppelkojen im Tourbus machten und die erste Nacht mit NECROPHOBIC, RAISE HELL und ORIGIN BLOOD beim Fressbalken in Mordor verbrachten.


Freitag, 6. Oktober 2006 – Kulturwerk 118, Sursee
Die Fahrt nach Sursee gestaltete sich friedlich, umringt von schwedischem Geplapper traf der Tourtross um einiges zu früh im Kanton Luzern ein – was die Schweden allerdings nicht davon abhielt, sich über die Existenz eines Hooters-Lokals zu freuen. Wenig später trafen auch Kov und Fuhli im Kulturwerk 118 ein, somit war die Mannschaft komplett vorhanden und für den Soundcheck nach NECROPHOBIC bereit. Die restliche Zeit wurde zur stilvollen Vernichtung von Bier, zum Neu-Aufziehen von Gitarrensaiten und zum Einpuffen im Tourbus genutzt, der uns noch in dieser Nacht auf die 14stündige Reise nach Berlin mitnehmen sollte. Um rechtzeitig fahren zu können, wurde der Auftritt von BITTERNESS auf die letzte Position verlegt, während wir wiederum als Opener fungierten.

Beim Bangen merkte man bereits die Anstrengung des Nackens in der vorigen Nacht, doch in den folgenden Stunden hatte man reichlich Zeit, diese Schmerzen auszukurieren. Denn es ging in die Stadt, in die es die Schweizer Nati dieses Jahr nicht geschafft hatte: nach Berlin. Mitsingen zum besten Metal-Album aller Zeiten – GUNS'N' ROSES "Appetite for Destruction". Rockstargefühle kommen auf. Fuhli und Kov nahmen diese Reise Füsse-in-Fahrtrichtung in Angriff, während Arlette H.D. und Zappi Kopf voran unterwegs waren und ein Schwede in einer Rauchpause am Ende des Busses doch rasch den Test machen musste, ob der Zappi-Fuss lebendig sei oder nicht – schliesslich waren die Betten gerade mal 1,90m lang. Ausserdem einwerfen der nötigen Chemie: Immodium, Stugeron, Buscopan.


Samstag, 7. Oktober 2006 – K17, Berlin (Deutschland)
Erster Pit-Stop am Morgen an einer Tankstelle in der fränkischen Schweiz. Bayern ist gross. Thüringen macht Bayern einiges nach und ist deswegen auch ein Freistaat. Kilometerfressen bis Berlin. Im CD-Player unter Anderem die neue Iron Maiden und 16 Horsepower.
Grosse Überraschung, dass Berlin keine Betonwüste ist, sondern viel Grün beherbergt. Kov zählt sämtliche Kebabstände. Der Kebab kommt aus Berlin. Zwei Metallstatuen im Wasser.
Ankunft im K17. Kleiner Backstageraum, aber dafür auch einige Groupies vorhanden. Soundcheck mit AC/DC, Locke zaubert effizient tollen Sound hervor. Essen etwas zu spät, deswegen rasch Vegiburger (welche auch von Carnivoren verzehrt werden) runtergewürgt und auf die Bühne. Während dem Spielen Rülpser mit Dinkelgeschmack. Sound gut, aber wenig Leute. Miss Gore ist gekommen, aber leider zu spät. Nach Konzert Duschen im Akkord, da alle jeweils genau nach ihrem Gig in die Dusche wollen. Wer aufs WC will, geht immer an der Dusche vorbei. Doch keine Angst "We will just say that the bass player female is in there – then everybody will come and look" sagt grinsender NECROPHOBIC-Gitarrero. Jimmy ist ganz Gentleman.

Nach Konzert Metaldisco im dritten Stock. Als DJ fungiert ein aufgepumpter Bapho. Bizarres Headbanging auf der Tanzfläche. Erst Falkenbach, dann Darkthrone, dann Slayer. Als wild durcheinander. Die anderen drei Stockwerke kommen mit schlechterem Sound aus und typischen Partypeople. Mondän, City – ein bisschen abgefucktes Kaufleuten-Feeling. Arlette H.D. klinkt sich aus und geht ins Bett. Andere ziehen weiter. Ein Groupie im Bus, doch ohne Erfolg. Um vier zieht es den Tourtross nach München.


Sonntag, 8. Oktober 2006 – Metropolis, München (D)
München, schönes Wetter. Der Kater sitzt. Ankunft im Graffiti-beladenen, alternativ-angehauchten Metropolis Areal. Wieder ein kleiner Backstage-Raum, dafür ordentlich Pretzeln und 0,5-Liter Fläschli mit Saufen drin. Nach Soundcheck wahres Festmahl im oberen Stock, inklusive mit Orangen und Zitronen geschmücktes Salat-Buffet und Koch in weisser Uniform. Tobbe setzt durch, dass für die Vegetarier-Teigwaren ein anderer Löffel gebraucht wird beim Schöpfen als für die Carnivoren. Dummerweise wenig Zeit zum Essen, Kov muss wieder ohne warme Mahlzeit auskommen.

Gig cool, aber extrem wenig Leute – immerhin danach Bekanntschaft mit heavyhardes.de-Journies und der freundlichen Fotozwergin gemacht. Danach militärisch stramm umgebaut und ab in die Dusche. Nur kaltes Wasser. Duschzeit auf maximal acht Minuten beschränkt, da man vor Ablauf des ORIGIN BLOOD-Gigs fertig sein sollte. Veranstalter erklärt, dass das Wasser durch das ganze Areal muss und irgendwo eine Dichtung kaputt sei. Aha. Für 15 Minuten Warten auf warmes Wasser fehlt die Zeit. Kalt Duschen ist Krieg! Und NECROPHOBIC werden es nach der Ansage von "Frozen Empire" auch noch merken, hargh! Nach Gig und Verräumen Gang ins Bett. Andere frönen anderen Dingen: Vodka, Gin Tonic, Sebastian tanzt sich in Männerherzen, ein Wettkotzen, ein Stripclub, Autos, Polizei. Die Tour wird zur "Get arrested"-Tour unbenannt. Dieser Titel konkurriert mit dem alternativen "No posters"-Tournamen.


Montag, 9. Oktober 2006 – Klub MC, Maribor (Slowenien)
Wieder ein Tag im Bus. Filme gucken, Musik hören. Pit-Stop irgendwo am Morgen an der Tankstelle, Frühstück fassen, Number Zwei erledigen (weil man das im knappen Bus-WC nicht kann/darf). Beim Abfahren fährt ein LKW mit einem verbrannten Pneu ein. Slowenien ist relativ grün und hügelig, einiges an Landwirtschaft. Treffen mit Veranstalter an Tankstelle, er fährt ein normales Auto. Ankunft im Klub MC, wiederum auf alternativen Areal, eine Kreuzung aus KuZeB und Wohlgroth, aber mit edlerem Ambiente. Draussen ein Schrein, um sich pissend George W. Bush und Jörg Haider anzunehmen. Ein Eile-mit-Weile-Spiel auf den Boden gesprayt und Spraydosen als Töggel. Friedliche Stimmung.
NECROPHOBIC gehen duschen. Essen à la Balkan: Börek mit ordentlich Fleisch bzw. Frischkäse und Fett. Nachtessen besteht aus echten Cevapcici, Zwiebeln, scharfer Sauce und Brot. Für Vegetarier eine Gemüselasagne, die allerdings mehr aus Zwiebeln als aus etwas anderem besteht. Essen für richtige, furzende Männer. So muss das sein im Balkan. Toiletten sind in Ordnung, nur für die Männer gibt es keine Türschlösser, was einige Männer zu Frauen macht, wenn sie Number Zwei erledigen wollen. Der Raum riecht merkwürdig, aber das ist egal.
Konzert schweisstreibend, einige Leute kreuzen auf und reagieren begeistert auf Kovs kroatische Ansagen. Danach warme Duschen. Endlich. Fuhli und Kov sind fast schneller fertig geduscht, als Arlette H.D. allein. Schweizer Militär halt und so. Nach dem Essen noch gemütliches Abhängen im Club. Töggelifussball spielen. Reden. Und lernen, dass Slowenisch vom Kroatischen etwa so weit entfernt sind wie Züridütsch und Walliserdiitsch. Um fünf Weiterfahrt nach Ungarn.


Dienstag, 10. Oktober 2006 – Blue Hell, Budapest (Ungarn)
Es wird flacher. Pitstop an der Tankstelle. Ein Bauer schiesst Leuchtraketen, um einen diebischen Schwarm Vögel zu vertreiben. Umweg, damit wir nicht über Kroatien fahren müssen. Topfenstrudel zum Frühstück. Das Filmniveau sinkt auf "Young Frankenstein" von Mel Brooks. Reichlich Gewieher. Dank Navigator relativ flott nach Budapest rein und den Club gefunden. Jörg verlässt den Bus, um die Location zu checken. Langeweile macht sich breit, man kann nicht raus, um zu rauchen. Eine alte Frau zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Sie setzt ihre Einkaufstüten nieder, nimmer einen Becher hervor. Hält ihn unter den Rock. Zieht ihn wieder heraus, gefüllt mit gelber Flüssigkeit. Faszination beim Bus-Publikum, Applaus zum Schluss, von der Frau ungehört.

Ankunft im Club. Attila Csihar – Besitzer und Undead Singer of Mayhem – weilt in den USA um für ein Side-Projekt Aufnahmen zu machen. Es gibt aber eine Dusche. Und reichlich Essen, mit Hingabe gekocht von Sandra. Und einen riesigen Backstage-Bereich, der sonst unter dem Namen Red Hell als Club fungiert. Somit gepflegtes Ausbreiten im Backstage-Bereich. Einige jagen einander mit Ketchup kurz vor ihrem Gig. Pörkölt, gefüllter Braten, vegane Teigwaren. Essen ist sensationell, dafür geizen die Toiletten komischerweise mit Papier. Erst denken, dann absitzen. Gig ist wiederum witzig, allerdings wenig Leute und nach der Hälfte macht sich ein Subwooferiges Brummen aus den Monitorboxen bemerkbar. Zappi macht einige Ansagen auf Ungarisch, den Rest übernimmt Kov auf Englisch.


Nach dem Konzert wieder Dusch-Termin für die meisten. Zappi und Fuhli finden draussen eine tote Ratte mit Stielaugen. Drinnen ein Plakat, das verheisst, dass Jesus die Erlösung bringt.
Rasches Einpacken, da irgendwo ausserhalb der Stadt übernachtet werden muss. Entleeren der Bustoilette. Genuss von SAMAEL, CELTIC FROST und BATHORY-Mucke zusammen mit den Schweden. Die guten alten Zeiten halt.
Deutschkurs mit Johan. "Jörg und ich, wir sind ein Paar". "Ich muss Kondome kaufen". "Meine Freundin Barbara wohnt hier". "Ich heisse nicht Ofen". "Ich bin ein Panzerfaust". "Ich bin ein Schützengrabenzerstörer".
Fuhlis Geburtstag bricht an. Gefundene Abwechslung. Doch der KungFu-Master schläft schon. "We must wake him up. It is not good for him to meditate in this bed where old German people used to sleep. They left their bad energy". Alles klar.
Das Weckkommando tut seinen Dienst. Geburtstagsgeschenk ist eine Flasche Jack Daniels. Das Slash-Klischee lebt.


Mittwoch, 11. Oktober 2006 – Endorphin, Althofen (Kärnten, Österreich)

Am Morgen Pitstop an einer Tankstelle nahe der österreichischen Grenze. Danach Genuss von "The Return of the King". Küssende Schmatzlaute aus den schwedischen Reihen bei jedem Anflug homoerotischen Potentials einer Frodo-und-Sam-Szene.
Umweg über Graz, um unsere Nachfolgerband EVERMOORE aufzunehmen. Eine Stunde Verspätung. Die neue schwedische Band wird beäugt. Jüngstes Mitglied ist gerade mal 14 Jahre alt, die anderen sind 18.

Verspätete Ankunft in Althofen, gelungenes Park-Bus-Manöver von Dieter. Applaus. Leckeres Essen, vom Soundcheck mit "Paragon Belial" gehen wir direkt ins Set über. Heiss ist es. Kein Monitorsound. "Snowball" wird der gesamten Crew des Alfons Meilhamer-Busses gewidmet. Joakim Sterner springt begeistert vor die Bühne und gibt sich dem Headbanging hin. NECROPHOBIC widmen uns danach "Frozen Empire" und bieten KungFu-Master an, die "Fuck you, Christ"-Parole (aus "Nailing the Holy One") zu übernehmen. Hammerauftritt.
Danach noch lockeres Rumhängen Backstage. Signieren von CDs, Adressen austauschen. Kurz nach zwei Aufbruch von Kov, Arlette H.D. und Zappi zum Prechtlhof. Fuhli bleibt im Endorphin und kümmert sich a) um den Rock n'Roll-Faktor von KNOWHERE und b) den Aufbau einer Fanbasis.
Im Prechtlhof gibt es reichlich ausgestopfte tote Tiere, eine Dusche und – ein Bett, in dem man sich ausstrecken kann. Aber irgendwie war der Bus kultiger.


Donnerstag, 12. Oktober 2006 – von Althofen nach Zürich
Und der Kreis schliesst sich. Zugfahren mit normalen Leuten eignet sich nicht für Bands nach einer Tour. Alles ist surreal. Spielen sie Schlager? Auch Rockmusik braucht es halt. Solange ihr jungen Leute nichts mit Drogen macht. Der Zug hat Verspätung. Am Ende eine Truppe mit Ersatz-Heiland, Velos und erschreckender Bünzlihaftigkeit.

Die Tour ist zu Ende.
Doch nach der Tour ist vor der Tour.

Was bleibt zuletzt?


Links zu Konzert-Reviews und -fotos:

Ein objektives Review des Konzertes im Münchner Metropolis gibt es bei den Jungs von Heavyhardes.de: http://www.heavyhardes.de/live2006_1_278.html

Weitere Berichte und Fotos folgen... Wenn jemand eigene Fotos unserer Gigs hat, nehmt bitte mit unserem Webmaster auf contact(at)knowhere.ch Kontakt auf.